© Grafschaft Bentheim Tourismus

Typisch Grafschaft

Von Plattdeutsch bis Handwerkskunst

Willkommen in der Grafschaft Bentheim – einer Region, in der lebendige Traditionen und kulturelle Vielfalt aufeinandertreffen. Hier wird das Erbe vergangener Generationen bis heute gepflegt. Ob Plattdeutsch als lebendige Sprache, traditionelles Handwerk oder farbenfrohe Feste: Entdecken Sie, was die Grafschaft Bentheim so besonders macht und wie Sie selbst Teil dieser einzigartigen Kultur werden können.

© Anja Koch

Das „Groafschupper“ Platt – So sprechen wir

Bei uns in der Grafschaft wird das „Grafschafter Platt“ gesprochen, dessen Aussprache sich sogar in der Ober- und Niedergrafschaft unterscheidet. Zudem gibt es niederländische Einflüsse, die sonst nirgendwo im niederdeutschen Sprachgebiet anzutreffen sind. Beim Grafschafter Platt handelt es sich somit um eine eigenständige Sprache, die mit Ihrer Vielfältigkeit beeindruckt. Genau hinhören lohnt sich daher in der Grafschaft, egal ob morgens beim Bäcker oder abends im gemütlichen Restaurant. Vielleicht verstehen Sie ja sogar den einen oder anderen Satz?

Grafschafter Haustierrassen

Viele traditionelle Haustierrassen waren einst weit verbreitet, doch im Laufe der Zeit wurden sie seltener. Heute gibt es sie glücklicherweise noch an einigen Orten in der Grafschaft Bentheim zu entdecken. Ob die Bunten Bentheimer Schweine, die gemütlich über die Weiden laufen, die Bentheimer Landschafe mit ihrer markanten Wolle oder die Kraienköppe, die mit ihrem schönen Gefieder auffallen – hier werden diese Rassen liebevoll erhalten. Wer durch die Landschaft streift, kann sie in ihrem natürlichen Umfeld beobachten und ein Stück lebendige Tradition erleben. 

Bentheimer Landschweine

Eine Familie mit Vater, Mutter und zwei kleinen Kindern zwischen 3 und 6 Jahren stehen in einem Schweinegehege und betrachten einen Mann in traditioneller Kleidung, wie er ein Ferkel auf dem Arm hält
© pro-t-in
Die einst in der Grafschaft Bentheim beheimatete Schweinerasse geriet in den 1950er-Jahren in Vergessenheit, da sich der Verbrauchergeschmack hin zu fettarmem Fleisch änderte. Die Zucht wurde fast vollständig aufgegeben, sodass nur noch wenige Tiere übrig blieben – viele davon in der Obhut eines einzigen Züchters. Ende der 1990er-Jahre engagierten sich einige Züchter für den Erhalt der Rasse. Durch koordinierte Zuchtbemühungen konnte das Überleben der Bunten Bentheimer gesichert werden. Heute gibt es sogar Züchter außerhalb der Region, die diese einzigartige Rasse weiter pflegen.

Bentheimer Landschafe

Ein Schäfer in traditioneller Kleidung steht vor einer Herde Schafe in herbstlicher Szene
© Franz Frieling
Das Bentheimer Landschaf, eine bedrohte Rasse mit markant geflecktem Kopf und langer Wolle, entstand aus Marsch- und Heideschafen. 2005 wurde es zur „Bedrohten Nutztierrasse des Jahres“ erklärt. Heute schätzen Naturschützer die robusten Tiere als Landschaftspfleger – zu sehen von April–Juni und September–Mitte Oktober in Naturschutzgebieten wie Tillenberge, Itterbecker Heide und Spöllberg.

Kraienköppe

Ei schwarz weißer Hahn, ein sogenannter Kraienkop
© Franz Frieling
Kraienköppe vereinen Schönheit und Leistung: Die Hähne beeindrucken mit stolzer Haltung, silberweißem Gefieder und kräftiger Besichelung, die Hennen mit leuchtender Lachsbrust und aschgrauer Zeichnung. Robust, wetterfest und winterhart, überzeugen sie zudem durch hohe Legeleistung. Bei artgerechter Haltung mit viel Auslauf zeigen sie ihre volle Pracht – und belohnen Halter mit reichlich Eiern.

Brauchtum und Traditionen

Die Grafschaft Bentheim ist nicht nur für ihre malerische Landschaft bekannt, sondern auch für ihr reiches Brauchtum und lebendige Traditionen. Ob farbenfrohe Feste, handwerkliche Künste oder überlieferte Bräuche – hier wird Geschichte mit Herz und Leidenschaft gepflegt.

© Franz Frieling

Schuhsohlen backen

In der Grafschaft Bentheim werden zum Weihnachtsfest und zum Jahresausklang alte Traditionen und Gebräuche lebendig. Der Brauchtumstag in der Grafschaft Bentheim entführt in die Vergangenheit. Hier werden unter anderem besondere einheimische Spezialitäten zubereitet – wie in alten Zeiten: an offenen Feuerstellen und von Köchen in historischen Trachten. Auf der Speisekarte stehen unter anderem „Ouderwetse Knieperties", was übersetzt heißt „altmodisch gebackene süße, dünne feste Waffel" sowie heißer Grog sowie frischgebackene „Schohsollen". Schohsollen heißt im hochdeutschen „Schuhsohlen". Das sind flache feste Kuchen in Form einer Schuhsohle, die mit einem alten schweren handgeschmiedeten Kucheneisen über dem offenen Feuer gebacken werden. Auf den Schohsolleneisen sind oft Muster, die Namen der Familien, Wappen oder Bibelverse eingraviert. In den Grafschafter Familien werden die alten Kucheneisen von Generation zu Generation vererbt.

© Grafschaft Bentheim Tourismus

Middewinterhornblasen

Bei dem Middewinterhornblasen handelt es sich um einen alten, heidnischen Brauch, der sowohl in der Grafschaft Bentheim als auch in den Niederlanden betrieben wurde. Durch das Blasen sollten zum einen böse Geister vertrieben werden, zum anderen wurde eine gute Ernte und die Bewahrung vor Not erbeten. Es diente aber auch der Benachrichtigung von Hof zu Hof, wenn Hilfe gebraucht wurde. Mit dem Middewinterhorn artverwandt sind die Alphörner und die Luren. Das Horn ist nur einzeln zu blasen. Bei klarem, frostigem Wetter ist ein Middewinterhorn 10 km weit und mehr zu hören. Der jahrhundertealte Brauch wird um die Jahreswende von mehreren Bläsergruppen im deutsch-niederländischen Raum aufrechterhalten. Dazu findet am 4. Advent eine große Middewinterhornwanderung statt. Auf einer vorher festgelegten Wanderroute von ca. 10 bis 12 km bzw. einer kleineren Wanderroute von ca. 6 km erklingen an etwa 25 Stellen die Middewinterhörner.

© VVV Nordhorn

Traditionelles Nikolaus-Knobeln

Während der Weihnachtszeit, meist um Nikolaus herum, wird in Gaststätten, Bäckereiverkaufsgeschäften, aber auch anderen Geschäften um allerlei Köstlichkeiten wie Torten, Pralinen, Schinken und Würste "geknobelt".
Die Spielregeln sind ganz einfach. Es wird mit drei Würfeln gespielt. Die Mitspieler zahlen für einen bestimmten Preis, wie etwa eine Torte, den hierfür verlangten Einsatz von z. B. 1 € pro Person. Gewonnen hat der Spieler mit der höchsten Augenzahl, ggf. kommt es zum Stechen.
Streng genommen handelt es sich um ein verbotenes Glücksspiel, das jedoch einmal im Jahr mit behördlicher Erlaubnis stattfinden darf. Seit über 120 Jahren wird das damals sogenannte "Dobbeln" am Nikolausabend durchgeführt. So teilte "Der landräthliche Hülfsbeamte" im Jahre 1888 auf eine entspreche Anfrage mit, dass eine "besondere amtliche Genehmigung nicht erteilt wird, sondern das sog. Dobbeln an dem bestimmten Tag wie früher geduldet wird, vorausgesetzt, dass grober Unfug dabei nicht getrieben wird". Das Knobeln kann also aufgrund der Tradition und des sich damit heraus gebildeten Gewohnheitsrechts gestattet werden.